Kolumne: die Zukunft nach dem Davis-Cup

Was für ein emotionales Tennis-Wochenende – und am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Umbruch im deutschen Herren-Tennis richtig war und ist. Auch wenn die deutsche Überraschungsmannschaft in Frankreich mit 2:3 verloren hat, die Zukunft muss den jungen Spielern ohne den Namen Haas und Kohlschreiber gehören.

 Peter Gojowczyk - wohin führt der Weg des Newcomers?

Peter Gojowczyk - wohin führt der Weg des Newcomers?

Der Freitag in Nancy hat mich restlos begeistert, was Tobias Kamke und Peter Gojowczyk gegen die erfahrenen Top-Spieler Julien Benneteau und Jo-Wilfried Tsonga gezeigt haben, war allererste Sahne – Davis-Cup-Feelig pur – irgendwie war es wie früher. Gojo, der sich den Hintern aufreisst, mit Krämpfen die Nr. 12 der Welt nieder fightet, das war Kampf (mit Krampf) pur. So werden Helden geboren. Wir dürfen jetzt nicht Fehler machen und genau das vergessen. Der 24jährige Münchner hat das Zeug zum Top 30 Spieler, mit 24 ist er zwar erst spät auf dem Weg nach oben, aber er hat gezeigt, dass wir uns seinen Namen merken sollten. Gojo ist ein Mega-Typ, jetzt braucht er Erfolge auf der Tour, der Rest kommt dann von alleine. Die Niederlage im entscheidenen 5. Spiel gegen Gael Monfils? Erwartbar, den Druck, den der Kerl auf deutscher Seite hatte, will keiner haben. Aus der Niederlage wird er lernen. Sein Weg fängt erst an – merkt Euch den Namen Peter Gojowczyk.

Und Kamke? Mit 27 ist er etwas älter, erfahrener und hat selbst angekündigt, noch mal die Top 50 angreifen zu wollen. Das Potential hat er zweifelsohne – und wie er als Nr.1 aufgetreten ist, whow, ohne Allüren, komplett im Dienst der Mannschaft, und mit dem wichtigen 1:0 am Freitag, er wird auch in Zukunft für Carsten Arriens eine echte Alternative sein.Ich glaube beide nehmen einen ordentlichen Push mit aus dem Wochenende in Nancy.Mit Andre Begemann haben wir wieder einen echten Doppelspezialisten an Bord, guter Typ, Motivator des Teams, eine gute Seele hinter den Kulissen und auf dem Platz ein Kämpfer – auch wenn er das Doppel mit Tobias Kamke verloren hat – das war wir da gesehen haben, das macht mir für die Zukunft große Hoffnung.

 Tobias Kamke, 27 Jahre alt und hoffentlich erst am Anfang seines Weges nach oben

Tobias Kamke, 27 Jahre alt und hoffentlich erst am Anfang seines Weges nach oben

Es war kein Fehler von Carsten Arriens Philipp Kohlschreiber zu Hause zu lassen, sportlich haben mich die jungen Wilden überzeugt. Der Bundestrainer hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht, es war ein Team in Frankreich, keine Zickereien hinter den Kulissen, keine Macht- oder Grabenkämpfe, das Team war und ist der Star. Eine Selbstverständlichkeit? Leider in der Vergangenheit nicht – nun endlich, und das haben Carsten Arriens und Co-Trainer Michael Kohlmann kreiert, Deutschland braucht Typen? Deutschland hat Typen – da sind auch wir Medien nun gefordert, das entsprechend zu unterstützen. Kritisch hätten wir werden müssen, wenn wir 0:5 untergegangen wären, sind wir aber nicht, das deutsche Davis-Cup-Schiff schwimmt – für mich sogar hoffnungsvoll in die Zukunft. Und dann sind da ja auch noch Namen wie Jan-Lennard Struff oder Alexander Zverev.

Auch wenn wir dieses Jahr nur an der Halbfinaltür schnuppern durften – mit der Vorstellung in Frankreich haben die Jungs gezeigt, dass eine Vorschlussrunde nicht so weit ist, wie es vor dem Frankreich-Spiel schien. Einziger Wehrmutstropfen: es geht erst 2015 weiter, irgendwie schade, denn die Jungs in Nancy haben echt Lust auf mehr gemacht.