PR-GAU beim Davis-Cup... Aber nicht alles zerreden jetzt!

_B4H1113 16.jpg

In meiner Kolumne auf ran.de habe ich mir zu den Vorkommnissen am vergangenen Sonntag bei Davis-Cup in Frankfurt Gedanken gemacht.

Es sollte ein neuer Start in eine bessere Zukunft sein. Am Samstagabend war nach dem 3:0-Sieg gegen Spanien klar: Deutschland hat wieder ein echtes Tennis-Team, eine Nationalmannschaft, eine schwarz-rot-goldene Truppe, auf die wir stolz sein können. In den Katakomben der Frankfurter Ballsporthalle herrschte Euphorie pur. Im Überschwang der Gefühle fiel sogar schon das Wort "Halbfinale". Es gab Sektduschen und gute Laune zwischen den vier Einzelunternehmern Haas, Kohlschreiber, Mayer und Brands, die endlich eine Einheit darstellten.

Von all dem war Sonntag am Nachmittag gegen 15 Uhr nichts mehr zu spüren. Verpufft, in Luft aufgelöst. Noch nie wurde eine deutsche Mannschaft nach einem 4:1-Sieg so ausgepfiffen. Ein Bundestrainer wurde noch nie von einem wütenden Pfeifkonzert in der Halle so "auf stumm" geschaltet wie Carsten Arriens. Zu Recht? Dieses Davis-Cup-Wochenende wird nun vorerst nur auf die Pfiffe, auf drei verletzte Spieler und auf einen PR-GAU reduziert werden. Aber: An zwei Tagen hat unser Team eine zugegebenermaßen spanische B-Mannschaft niedergekämpft, hat tolles, spektakuläres Tennis gezeigt.

Schwarz-rot-goldener Jubeltaumel

Wow, wir waren alle in einem schwarz-rot-goldenen Jubeltaumel am späten Samstagabend, sogar das Doppel gewonnen, irre... Was geht dieses Jahr im Davis Cup? Arriens hat wirklich eine Mannschaft geformt, alles schien wunderbar. Das Volk will Brot und Spiele, das war schon im alten Rom so, und es ist heute im Prinzip nicht anders. 65 Euro kostete alleine am Sonntag das Tagesticket, dafür wollen die Menschen unterhalten werden.

Und hier beginnt das Problem des letzten Davis-Cup-Tages in Frankfurt. Warum war es nicht möglich, dass Kohlschreiber oder Haas für zwei Sätze auf den Court gehen, ein bisschen Entertainment zeigen, ein bisschen Spaß haben - und fertig? Unglaubwürdig wird es, wenn jetzt unter der Woche wieder in Zagreb aufgeschlagen wird. Zwei Sätze ohne Druck in Frankfurt wären doch ein perfektes "Warmspielen" gewesen. Hier haben aus meiner Sicht die Spieler und die Verantwortlichen falsch reagiert, die Quittung gab es direkt vom Publikum. Das kann ich gut verstehen. Zumindest einer hätte die Zähne zusammen beißen müssen.

Umdenken im deutschen Tennis angebracht

Und ich bin mir sicher: Als Kohlschreiber, Haas und Mayer bei uns im ran-Studio waren, wussten sie: Oh, heute haben wir hier richtig Mist gebaut. Niemals bisher ist eine deutsche Mannschaft als gewinnender Verlierer vom Platz gegangen. Auch das war leider eine Premiere, ein Kreditverbrauch, der nicht so leicht wieder aufzufangen sein wird. Ich finde, es muss ein neues Denken her. Wenn Tennis wieder groß werden soll, darf so etwas nie mehr passieren.

Eines ist klar: Am Ende sind Tennis-Profis dann doch Einzelunternehmer. Gemanagt, beraten, eigene Interessen verfolgend. Ich hoffe, dass die Herren und die Berater dahinter heute etwas dazu gelernt haben. Der Tennissport braucht seine Fans, mehr denn je, die Liebe der Menschen zu diesem großen Sport darf nicht mit Füßen getreten werden. Reißt nicht mit den eigenen Händen wieder ein, was ihr euch mühsam aufgebaut habt.

Mannschaft hat großes Potenzial

Die Mannschaft hat das Zeug, Großes zu erreichen, aber nur wenn alle mitziehen - auch wenn es weh tut. Frankfurt hat gezeigt, dass es oberflächlich funktioniert, aber tief drinnen ist noch Potenzial - ich formuliere es mal positiv. Es ist so schade, keiner redet über einen tollen Sieg, über ein Viertelfinale gegen Frankreich im April, alle reden nur über die Pfiffe. Ich hätte gerne über einen großen Sieg geschrieben, es ist leider nur ein Sieg mit jenem bitteren Beigeschmack - und der wird noch lange bleiben. Leider... 

Killing schlägt auf: Fazit der Australian Open

Matthias-Killings-Kolumne-mit_teaser_620x420.png

Das Finale der Australian Open 2014 hat eines bewiesen: Tennis ist einfach ein so schöner, ein so spannender und wunderbar spektakulärer Sport. Und der Sieger bei den Herren schreibt Geschichte.

Es ist eine besondere Geschichte, die Stanislas Wawrinka am Sonntagmorgen deutscher Zeit geschrieben hat. Was war das für ein geiles Finale! Da war alles drin: Spannung, Nervenkrimi, klare Szenen, eine Verletzung und ein kurzfristiges Comeback von der Nummer eins der Welt. Aber: ein Schweizer, der noch letztes Jahr den Beinamen "ewiges Talent" trug, erfüllte sich den Traum seines Lebens. Zwölf Mal hatte er bis dahin gegen Rafael Nadal gespielt, nie gewonnen und ausgerechnet im wichtigsten Spiel seiner Karriere war er besser, war er zu 100 Prozent da. Das war er sowieso über das gesamte Turnier hinweg. Wie er im Viertelfinale die Nerven gegen Novak Djokovic behalten hat, im fünften Satz nach vier Stunden Spielzeit die Nummer zwei der Welt mit 9:7 niedergerungen hat, das war groß, ganz groß. "Willkommen an der Spitze!", möchte man dem 28-Jährigen zurufen, der in seiner Karriere alles erlebt hat. Immer im Schatten des großen Landsmannes Roger Federer, niemand interessierte sich wirklich für "Stan the Man". Überrascht war er noch im Dezember, als er an einer jährlichen Autogrammstunde in seiner Heimatstadt Lausanne teilnahm. Kamen sonst nur ein paar Tennis-Fans, um die wertvolle Unterschrift eines Tennis-Stars zu bekommen, so waren es im Dezember 2013 auf einmal mehrere hundert Fans. Bescheiden und sensibel wie er ist, war Wawrinka überrascht und glücklich zugleich.

Seine Lebensphilosophie hat er sich auf seinen Unterarm tätowieren lassen: "Immer versucht, immer gescheitert. Egal, versuch es es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser." Im Januar 2014 sind die Besten an ihm gescheitert. Er hat gesiegt. Sein Lohn: 2,65 Millionen Dollar und Platz drei der Weltrangliste. Roger Federer ist Achter. Mehr muss man nicht sagen.

Rafael Nadal wird auch diese Tennis-Saison bestimmen

Sein Gegner Rafael Nadal ist im Soll, ein Finale kann man mal verlieren, Nadal wird auch diese Tennis-Saison bestimmen - wahre Größe zeigt ein Star in der Niederlage. Wie Nadal nach dem Finale gesprochen hat, das war sehr stark. Wenn er gesund bleibt, gewinnt er die French Open - ich lege mich da jetzt schon fest.

Und Federer? Das wird schwer, auch wenn er mich in Melbourne überzeugt hat. Nur: Ob der "Fed-Express" nochmal ganz oben im Tennis-Hauptbahnhof einfährt? Ich kann es mir nur schwer vorstellen, zu wünschen ist es dem sympathischen Baseler zweifelsohne.

Aus deutscher Sicht ist selbst Boris Becker im Viertelfinale ausgeschieden, und er kam für Schwarz-Rot-Gold noch am weitesten. Das sagt alles, in der letzten Kolumne habe ich mich schon deutlich dazu geäußert.

Wir brauchen Erfolge, die Hoffnung stirbt zuletzt, denn die Saison hat ja gerade erst angefangen. Nun fiebern wir dem Davis Cup entgegen, ob mit oder ohne Tommy Haas gegen Spanien. Nominiert ist er ja, nur spielt er wirklich? Ich mag noch nicht so recht daran glauben, zu labil wirkte sein Auftritt in Melbourne. Und es gibt Stimmen aus dem deutschen Lager, die daran zweifeln. Warten wir ab.

Europa hat uns überholt, Spanien, Frankreich, die Schweiz, alles Nationen, die vor uns stehen. Deutlich, das ist hart, aber es ist so. Kurzfristig ist da keine Änderung in Sicht. Noch nicht...

Eine Hoffnung haben wir: der Mann heißt Alexander Zverev, ist 16 und hat die Juniorenkonkurrenz in Australien gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, ich freue mich schon jetzt auf diese Kolumne im Jahr 2018. Dieser Kerl wird rocken, ganz sicher.

Nur Kerber zeigt Grand-Slam-Niveau

Und bei den Damen? Li Na gewinnt, Dominika Cibulkova heißt ein neuer Stern aus der Slowakei und die deutschen Damen müssen in zwei Wochen in Bratislava ran. Na bravo... Apropos: Nur Angelique Kerber hat zu Beginn der Saison Grand-Slam-Niveau gezeigt. Da wartet noch viel Arbeit auf den Rest - dass unsere Mädels es können, haben sie oft bewiesen, da schaue ich trotz der Ernüchterung in Down Under positiv nach vorne.

Das Tennis-Jahr hat genial begonnen, am Donnerstag Abend melde ich mich dann per Kolumne aus Frankfurt. Und ab Freitag geht es dann gegen die Spanier. 2014 wird ein gutes Tennis-Jahr. Ich glaube noch immer ganz fest daran. 

Tennis: Fed Cup | 8. + 9.02.2014 in Bratislava

Ein Bild aus vergangenen Tagen. Schon 2008 musste Kiwi meine Fragen beantworten. :-)

Ein Bild aus vergangenen Tagen. Schon 2008 musste Kiwi meine Fragen beantworten. :-)

Am 8. und 9. Februar spielt die deutsche Damen-Tennis-Mannschaft im Fed-Cup gegen die Slowakei. Wir übertragen beide Tage live bei SAT.1 Gold. Mit an Bord sind Nicolas Kiefer als unser ran-Tennis-Experte, Matthias Stach als Kommentator und ich. Wir freuen uns auf ein tolles Tennis-Wochenende.

DAVIS CUP - Tennis - Deutschland vs. Spanien

Am 31.01.2014 - 02.02.2014 heißt es Tennis-Time in Frankfurt. Deutschland spielt im Davis-Cup gegen Spanien. Die Ballsporthalle ist ausverkauft, die Vorfreude riesig. Wir übertragen alle 3 Spieltage in voller Länge bei SAT.1 Gold.